Wie ist die ärztliche Versorgung auf den Inseln geregelt?

Krankenversicherungskarte der gesetzlichen Sozialversicherung

Der Neuankömmling wird immer wieder von den Horrorgeschichten über unfähige Ärzte, überfüllte Krankenhäuser und fehlende Arzneimittel geschockt, die über das staatliche Gesundheitswesen im Umlauf sind. Nur ruhig Blut – auch hier wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Spanien verfügt über ein recht gut entwickeltes staatliches Gesundheitssystem. In jeder Stadt gibt es zumindest ein ambulatorio, ein Ärztezentrum der staatlichen Sozialversicherung. Apotheken finden sich an jeder Ecke; der gesetzliche Mindestabstand zur nächsten beträgt nur 500 Meter, so dass in der Nähe solcher Ärztezentren immer eine oder mehrere Apotheken zu finden sind. Und auch wenn die Medikamente hier manchmal andere Namen tragen, so gibt es die bewährten Wirkstoffe und Kombinationen hier auch.

Problematisch sind allenfalls homöopathische Arzneimittel. Hier ist die Wahrscheinlichkeit in den Touristenzentren am größten, dass die Apotheke diese Mittel ebenfalls führt.

Die gesetzliche Sozialversicherung funktioniert in Spanien allerdings etwas anders als in Deutschland. Hier ist jeder pflichtversichert, der einer Erwerbstätigkeit nachgeht – also auch Beamte, Selbständige und Freiberufler. Arbeitslose bleiben die ersten drei Monate ebenfalls versichert, danach können sie auf Antrag beitragsfrei weiterversichert werden, wenn sie keine Leistungen beziehen und nicht über ausreichende eigene Einkünfte verfügen.

Die Ärzte in den Ambulatorien sind entweder Angestellte oder werden – als Fachärzte – von der Seguridad Social stundenweise beschäftigt. Das erklärt auch, warum der Arzt keine Eile hat, wenn der Patient bei ihm im Sprechzimmer ist. Es spielt für den Arzt eben keine Rolle, ob er an diesem Vormittag einen einzigen oder 50 Patienten behandelt hat. Wer pflichtversichert ist, bekommt eine Karte, mit der er bei seinem ambulatorio einen Hausarzt (médico de cabezera) wählen muss. Der entscheidet über die Überweisungen zum Facharzt oder weiterführende Behandlungen. Eine Praxisgebühr oder ähnliche Eigenanteile gibt es nicht.

Wer Medikamente braucht, bekommt ein elektronisches Rezept. Damit – und mit Ausweis und Krankenversicherungskarte – geht man zur Apotheke, wo man dann seine Medikamente erhält. Der Eigenanteil beträgt hier i.d.R. 40% des Medikamentenpreises. Dieser Preis wird von der Sozialversicherung mit den Pharmaherstellern ausgehandelt und verbindlich festgelegt. Er liegt erheblich unter den Preisen in Deutschland. Rentner zahlen fast keinen Eigenanteil.

Wer ins Krankenhaus muss, benötigt eine Überweisung des Hausarztes, ausgenommen Notfälle. Handelt es sich um ein privates Krankenhaus – und das sind die meisten, zumindest auf den Inseln –, dann muss man von der Leitstelle eingewiesen worden sein oder die Einweisung des Hausarztes vorlegen. Anderenfalls muss man die Behandlung vollständig selbst zahlen (oder die entsprechende private Krankenversicherung haben).

Bei nicht lebensnotwendigen Operationen kann es zu Wartezeiten von bis zu 6 Monaten kommen, in einzelnen Extremfällen habe ich sogar schon 12    Monate erlebt. Insgesamt ist aber die Qualität der Versorgung sehr gut. Selbst schwierige Operationen ohne Blut werden hier häufig vorgenommen – und das mit gutem Erfolg. Auf den beiden größeren Inseln, Teneriffa und Gran Canaria, gibt es keine Untersuchung, OP oder sonstige Therapie, die nicht von damit bestens vertrauten Ärzten der Sozialversicherung in den dortigen Uni-Kliniken durchgeführt wird. Fortbildung ist der Regelfall, so dass auch neue Verfahren zur Anwendung kommen. Das ist einer der Gründe, warum z.B. viele HIV-Infizierte Behandlung auf den Kanaren suchen: Das Wetter ist gut, und die Behandlung fortschrittlich. Damit steigen die Überlebensaussichten.

Daneben gibt es auch – wie in Deutschland – niedergelassene Ärzte, einige auch mit deutschen Sprachkenntnissen. Manch einer von ihnen arbeitet mit privaten Krankenversicherungen zusammen. Andere arbeiten in Ärztezentren, die von einem privaten Krankenversicherer betrieben werden. In jedem Fall muss man – wenn man nicht die passende private Versicherung hat – die Kosten selbst zahlen. Und das gilt auch für die Medikamente, die diese Ärzte verschreiben. Denn die sind in den privaten Krankenversicherungen i.d.R. nicht eingeschlossen.

Bei der Zahnbehandlung ist es noch anders. Die Sozialversicherung bezahlt nur die Schmerzbehandlung – und die besteht im Ziehen des kranken Zahnes. Das ist kostenlos. Alles andere machen nur die niedergelassenen Zahnärzte. Hier lohnt es sich, die Qualität und die Preise vorher zu vergleichen, denn die Unterschiede sind enorm. Im Normalfall ist aber die Behandlung auch hier günstiger als in Deutschland. Private Versicherungen für die Zahnbehandlung zahlen normalerweise nur einen geringen Zuschuss. Ob sich das lohnt, muss jeder für sich selbst berechnen und entscheiden, auch im Hinblick auf die Bindung an Vertragsärzte.

Der Eingang zu einem Centro de Salud (landläufig ambulatorio genannt).

Das neue Hospital del Norte der staatlichen Sozialversicherung, in Garachico, Tenerife.


In den Zentren des staatlichen Gesundheitswesens wird normalerweise ausschließlich spanisch gesprochen. Wir bieten die Begleitung als Übersetzer zu ärztlichen Untersuchungen und Behandlungen an. Fragen Sie uns.