Ist es sinnvoll, sich in Deutschland nicht abzumelden?

Die Agencias Tributarias sind die Anlaufstellen der Finanzverwaltung.

Verbindlichen Rat in Steuersachen erhalten Sie natürlich von den Angehörigen der steuerberatenden Berufe. Auf dieser Website jedenfalls nicht. Hier finden Sie nur Erfahrungsberichte.

Oft hört man, dass es besser ist, wenn man sich in Deutschland nicht abmeldet, und dort weiter seine Steuern zahlt. Gleichzeitig wird auch geraten, einen (zweiten) Hauptwohnsitz in Spanien anzumelden, um hier das Sparpotential voll auszuschöpfen.

Dieses Thema ist nicht ohne Zündstoff, und wer hier etwas falsch macht, bewegt sich sofort im Bereich der Steuerstraftaten. Und die sind weder bei deutschen noch bei spanischen Finanzämtern gern gesehen...

Grundsätzlich hat ein Staat das Recht, Steuern auf das Einkommen der in seinem Hoheitsgebiet wohnenden Personen zu erheben (Ansässigkeitsprinzip). Und er kann natürlich auch das Einkommen derjenigen besteuern, die zwar nicht in seinem Hoheitsgebiet wohnen, dort aber Einkünfte erzielen (Herkunftsprinzip). Jemand, der also in Spanien wohnt und in Deutschland Einkommen erzielt, muss dieses (weil dort erworben) in Deutschland versteuern - und auch in Spanien (weil dort wohnhaft).

Um das zu vermeiden, gibt es das Doppelbesteuerungsabkommen. Das besagt - vereinfacht ausgedrückt -, dass ein Einkommen, das in einem Staat besteuert wurde, in dem anderen Staat nicht noch einmal besteuert wird. Wo genau nun das Einkommen versteuert werden muss, richtet sich nach der Herkunft und der Art der Einkünfte. Und für Neurentner gibt es tatsächlich die Möglichkeit einer doppelten Steuerzahlung, wenn die Rentenbeiträge im anderen Staat gefördert wurden.

Konkret: Ich muss in Spanien eine Steuererklärung abgeben, ggfs. eben eine Nullerklärung. Darüber stellt mir die spanische Delegación de Hacienda eine Bescheinigung aus. Diese ist zweisprachig, spanisch und englisch. Dann mache ich in Deutschland - beim zuständigen Finanzamt - ebenfalls eine Steuererklärung. Dabei beantrage ich die Behandlung als unbeschränkt Steuerpflichtiger. Dazu benötige ich die Bescheinigung der Hacienda.

Der Unterschied in Deutschland zwischen beschränkter und unbeschränkter Steuerpflicht ist wichtig. Wer in Deutschland nicht den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen hat, wird automatisch beschränkt steuerpflichtig, nämlich nur mit dem Einkommen, das er in Deutschland erzielt. Davon zahlt er eine Abgeltungssteuer. Das Problem: Es ist eben eine Abgeltung.

Der unbeschränkt Steuerpflichtige zahlt dagegen praktisch nur Abschläge, und zwar wie ein Inlandsdeutscher auch. Bei der jährlichen Steuererklärung wird dann der tatsächliche Steuerbetrag festgesetzt und mit den Vorauszahlungen (und Lohnabzüge sind in diesem Sinne Vorauszahlungen) verrechnet. Dann muss man eben nachzahlen oder bekommt noch was zurück. Allerdings wird (das nennt sich Progressionsvorbehalt) der Steuersatz so festgesetzt, als ob auch die spanischen Einkünfte in Deutschland erzielt würden; besteuert wird aber nur das Inlandseinkommen, oder wie es eben sonst im Doppelbesteuerungsabkommen geregelt ist.

Durch die Behandlung als unbeschränkt Steuerpflichtiger habe ich z.B. auch Anspruch auf deutsches Kindergeld, was einen nicht unerheblichen Unterschied macht.

Es gibt demnach keine legale Möglichkeit, zwischen den Steuern in den verschiedenen Ländern zu wählen. Auch die gängige Praxis zweier Hauptwohnsitze ist illegal. In steuerlicher Hinsicht richtet sich der Hauptwohnsitz immer nach dem Mittelpunkt der Lebensinteressen. Lässt sich dieser nicht aufgrund der wirtschaftlichen oder sozialen und familiären Bindungen bestimmen, wird hilfsweise die Aufenthaltsdauer herangezogen - ab einem Aufenthalt von 183 Kalendertagen pro Kalenderjahr wird dort der Mittelpunkt der Lebensinteressen vermutet.

Auf jeden Fall ist es richtig, einen Steuerberater zu konsultieren. Allerdings sollte der sich in beiden Ländern auskennen. Und da gibt es nicht viele wirklich gute Berater.


Vor Entscheidungen in steuerlichen Belangen sollten Sie immer zuerst fachkundigen Rat einholen. Ich vermittele meinen Kunden gern einen guten Steuerberater oder Anwalt, auch mit deutschen Sprachkenntnissen.