Das Schulsystem

Das spanische Schulsystem ist natürlich etwas anders, als wir es von Deutschland, Österreich oder der Schweiz gewohnt sind. Am auffälligsten ist zunächst das andere Notensystem: Es reicht von 0 bis 10, wobei 10 die beste Note ist. Eine 5 ist gerade noch ausreichend. Zeugnisse gibt es dreimal im Jahr, vor Weihnachten, vor Ostern und im Juni am Schuljahresende. Der Unterricht beginnt – je nach Kurs – im September/Oktober. Ferien sind zu Weihnachten (2 Wochen), Karneval (1 Woche), Ostern (1 Woche) und Sommerferien (3 Monate). Im ganzen Monat August sind normalerweise alle Schulen geschlossen, auch die Sekretariate.

Es gibt öffentliche und private Schulen. Die öffentlichen sind kostenfrei; allerdings muss man für Bücher und Schulessen selbst aufkommen. Private Schulen können richtig ins Geld gehen, vor allem, wenn man mehrere Kinder einschulen muss. Hier gibt es u.a. auch Schulen, die sich an dem deutschen oder britischen Schulsystem orientieren - und eben Geld kosten.

Eine Besonderheit ist die Integration von behinderten Kindern in die normalen Schulen. Es ist völlig üblich, dass gesunde Kinder und behinderte Kinder zusammen lernen. Dadurch wird erreicht, dass Behinderte nicht so sehr ausgegrenzt werden.

Auch die öffentlichen Schulen stehen im Wettbewerb zueinander. Jede versucht, durch gute Ergebnisse und attraktive Angebote ihren Ruf auszubauen und die besten Schüler zu gewinnen.

Die Schulzeit beginnt im Alter von 3 Jahren, mit der Einschulung im der Educación Infantil. Das ist eine Vorschule, dauert 3 Jahre, und die Kinder erhalten bereits Zeugnisse. Sie lernen Lesen, Rechnen, und sogar Englisch.

Daran schließt die 6-jährige Grundschule an, die Enseñanza de Primaria. Normalerweise an der gleichen Einrichtung, in den Colegios, an dem Kürzel C.E.I.P. (Colegio de Enseñanza Infantil y Primaria) zu erkennen.

Nun folgt die Oberstufe, die E.S.O. (Enseñanza Secundaria Obligatoria). Auch dies ist eine Pflichtschule, die vier Jahre dauert. Diese Kurse gibt das Instituto (Kürzel: I.E.S.; Instituto de Enseñanza Secundaria). Hier schließt man die Pflichtschule ab, was mit einem Título, einer offiziellen Abschlussurkunde, nachgewiesen wird.

Ab hier haben die Schüler die Wahl:

  • Direkteinstieg ins Berufsleben
  • Weiterführende Schule mit Abschluss Abitur (2 Jahre, Bachillerato)
  • Berufsausbildung (Formación profesional)

Wie komme ich an einen Schulplatz?

Für die öffentlichen Schulen werden die Plätze von der Regionalregierung vergeben (Gobierno de Canarias; Consejería de Educación, Universidades y Sostenibilidad). Das Verfahren läuft (vereinfacht gesehen) folgendermaßen ab:

  1. Im April wird das Verfahren eröffnet. Nun kann jeder – unter Nachweis der jeweiligen Voraussetzungen – einen Platz für den Kurs seiner Wahl an der Schule seiner Wahl beantragen. (Solicitud de Plaza)
  2. Anfang Mai werden die Plätze offiziell zugeteilt, und das Ergebnis kann man an der Schule auf den ausgehängten Listen oder im Internet einsehen. Die Vergabe erfolgt nach einem festgelegten Punktesystem, bei dem verschiedene Werte einfließen, z.B. der Notendurchschnitt, die Nähe zum Wohnort, ob noch Geschwister in der Schule eingeschrieben sind, die sozio-ökonomische Situation der Familie, usw.
  3. Ende Juni kann man – Annahme der Solicitud de Plaza vorausgesetzt – die Solicitud de Matrícula abgeben, also den eigentlichen Aufnahmeantrag.
  4. Anfang Juli werden die Ergebnisse veröffentlicht.
  5. Wer hier noch keine Berücksichtigung finden konnte, hat im September die Chance, einen der noch freien oder nicht in Anspruch genommenen Plätze zu ergattern.
  6. Ausnahmen (z.B. bei Versäumen der Fristen) sind nur über das Ministerium, die Consejería, möglich.

Muss ich meinen deutschen Schulabschluss umschreiben lassen?

Solange noch keine 10 Pflichtschuljahre absolviert wurden (oder das Mindestalter von 16 Jahren noch nicht erreicht ist), wird man ohne weiteren bürokratischen Aufwand aufgrund des Alters in das entsprechende Schuljahr eingegliedert.

Anderenfalls muss der deutsche Abschluss erst einmal anerkannt werden (Convalidación y Homoglogación). Dies macht aber nicht die kanarische Regierung, sondern die Zentralregierung in Madrid, die aber auf den Inseln Außenstellen unterhält, die Subdelegación del Gobierno bzw. Dirección Insular de Administración General del Estado.

Um zu einer Berufsausbildung, dem Abitur oder einem Hochschulstudium zugelassen zu werden, muss zuerst diese Homologación erfolgen. Das geschieht in der Regel direkt auf der Insel, und dauert nur ein paar Tage.

Komplizierter wird es, wenn ein Hochschulabschluss anerkannt werden soll. Dies dauert im Regelfall 8 Monate, und wird direkt vom zuständigen Ministerium in Madrid entschieden. Die Anträge kann man bei der jeweiligen Subdelegación oder Dirección Insular stellen.

Natürlich kann diese Seite nicht alle Fragen beantworten. Vereinbaren Sie einen Beratungstermin, und wir können gemeinsam alles durchsprechen.